Aus der Chronik der Kolpingsfamilie Oberndorf

Es war im Jahre 1874, als einige junge katholische Männer von Oberndorf einen Bildungsverein gründeten, da sie auf Geselligkeit, Gemeinschaft und ganz besonders auf eine umfassende Bildung bestrebt waren. Hier wurde bestimmt, den jeweiligen Ortspfarrer oder Vikar als Präses zu nominieren. Zwei Jahre später meldeten Franz Wolf als erster Senior und Vikar Erasimi als erster Präses den Verein beim Gesellenvereinsverband in Köln an und begründeten dadurch den Gesellenverein Oberndorf.

Die im Jahre 1910 für den Nachwuchs des Vereins gebildeten Jüngerenabteilung wurde1913 von Präses Geßler auf breiter Basis zum katholischen Jugendverein ausgebaut und deklariert.

Seit dieser Zeit finden wir Jugendverein und Gesellenverein des öfteren bei gemeinsamen Veranstaltungen und Versammlungen.

Selbst mit den zwei anderen katholischen Ortsvereinen – Kasino und Arbeiterverein – bestritt der Gesellenverein im Jahre 1911 eine gemeinsame Großveranstaltung geselliger Art in Oberndorf. 

Der 1. Weltkrieg hinterließ auch im Gesellenverein große Lücken. Eine vierteljährliche Paketaktion hielt den Kontakt mit den Freunden im Felde aufrecht. Auch wurde aus dem stattlichen Vereinsvermögen eine Kriegsanleihe gezeichnet. Für die 10 gefallenen Kolpingmitglieder wurde am 25. April 1920 ein würdiges Ehrenmal auf dem Friedhof eingeweiht.

Die Jahre der Revolution taten dem Verein schweren Abbruch. Um so erstaunlicher war es, dass ein Jahr später im Mai 1927 unter der Leitung von Präses Schmid und Senior Alfons Deifel jr. das 50jährige Jubiläum in guter Organisation stattfand und unter der Mitwirkung von 25 anderen Vereinen das Ereignis in Oberndorf wurde.

Beim ersten deutschen Gesellentag in München (8. bis 11. Juni 1933) waren ebenfalls einige Kolpingsöhne von Oberndorf dabei. Für alle, die noch bis dahin an eine loyale Haltung der Regierung zur Kolpingsfamilie glaubten, brachte schon der erste Tag die totale Ernüchterung. Das Thema „Volk und Gott“, „Volk und Stand“ und „Stand und Staat“ musste auf Befehl der politischen Polizei vorzeitig abgebrochen werden, wobei SA und SS die Dinge provozierten.

Nach einigem Hin und Her wurde am 1. Juli 1933 sämtliche katholischen Vereine und Verbände aufgelöst, ihr Schriftmaterial und sonstiges Vermögen beschlagnahmt. Auch das Vermögen des Oberndorfer Gesellen – und Jugendvereins wurde konfisziert und die Waldklause geschlossen.

Nach fast 10jähriger Pause fand sich im Herbst 1945 die Kolpingsfamilie wieder zusammen.

Dem organisatorischen Neuaufbau standen folgende Mitglieder vor: Präses Vikar Böckerler, Senior Alfons Fluhr, Altsenior Hugo Seger, Schriftführer Robert Weißer und Kassierer Bernhard Seidel. Anwesend waren 49 Mitglieder von Jung – und Altkolping. Die künftige Arbeit innerhalb der Kolpingsfamilie wurde am 26. 10. 1946 durch Bezirkssenior Max Huber- Winter klar umrissen. Als vier Grundthemen bezeichnete er 1. religiöse, 2. weltanschauliche, 3. staatspolitische und 4. kulturelle Bildungsarbeit. Ganz in diesem Sinne stand der Unterhaltungsabend am 10. November, der Kolpinggedenktag am 11. Dezember 1946 und am 6. Januar 1947 die Weihnachtsfeier im „Schützensaal“.

Anfang Oktober gab der neugewählte Senior Helmut Brehm für die zukünftige Arbeit wegweisende Richtlinien. Am Kolpinggedenktag desselben Jahres konnten die Anwesenheit von Diözesansenior Max Huber – Winter die neu geschaffenen Gedenktafeln für die gefallenen Kolpingsöhne enthüllt werden. Bei dem Heimatabend am 6. Juni 1948  wurde der 93jährige Mitbürger, das älteste Mitglied des Kolpingwerkes, für 75jährige Mitgliedschaft im Gesellenverein besonders geehrt. Nach Kolpings Grundsatz „Liebe heilt alle Wunden“ wurde der Reinerlös des so ansprechenden Heimatabends zur Linderung der tausendfältigen Not der Caritas und Kriegsgefangenenhilfe übersandt.

Nicht zu vergessen ist, dass Anfang der 50erJahre Präses Vikar Wolfinger die gesamte katholische Jugend der Pfarrgemeinde aufbaute, was nicht unwesentlich zur Konsolidierung der Kolpingsfamilie beitrug. Auf der Generalversammlung im Mai 1954 gab Senior Franz Stirm die Wahl des Oberndorfer Kolpingsohnes Hans Brehm zum Bezirkssenior bekannt.

Bei den Umbauarbeiten des Bärensaales Anfang Juni, beteiligte sich die Kolpingsfamilie in vorbildlicher Weise. 

 

In der Nacht zum 18. November1958 wurden Dachstock und Obergeschoss des

„Bären“ ein Raub der Flammen, wobei die Kolpingsfamilie ihr Heim samt allen Theaterrequisiten verlor.

 

Bei der Generalversammlung im April 1959 zollte Präses Vikar Beißwanger dem pflichtgetreuen und immer hilfsbereiten, scheidenden Altsenior Karl Ade für seine12jährige mühevolle Tätigkeit herzliche Dankesworte.

Entwicklungshilfe ganz groß geschrieben wurde im Jahre1961, als unsere Freunde Erich Glatthaar und Paul Seger in Pakistan bzw. Neu Guinea einen aktiven Beitrag im sozialen Dienst am Nächsten im fremden Land zu leisten begannen. Durch eine sehr gelungene Spendenation konnte der neue Senior Manfred Dierolf den Genannten eine tatkräftige Unterstützung zuteil werden lassen. Zu Anfang der 60er Jahre schloss sich die Kolpingsfamilie bei Veranstaltungen dem Männerwerk an, um dadurch die Gemeinsamkeit in der Pfarrei darzustellen.

Die Einladung zum Kolpinggedenktag 1969 fand reichen Zuspruch und die Teilnehmer hatten ein großes Angebot, wie gemeinsame Eucharistiefeier, gemeinsames Frühstück, eine Feierstunde mit Ehrungen, der Vorstellung des neuen Präses Vikar Bentele und begeisternder Überlegungen zur Mitverantwortung aus dem Glauben nach dem Vorbild von Adolph Kolping. Ein Wermutstropfen in die Feierlichkeit war aber die Kunde, dass die Aspenklause abgebrannt sei; war es doch der Jugend- und Gesellenverein, der in den 20er Jahren bis 21.09.1930 mit Präses Ruff die Blockhütte erstellt und eingeweiht hatte.

Das Jahr 1971 mit dem neuen Senior Eberhard Schmid erforderte durch Erkenntnisse auch Taten –es werden Umbenennungen vorgenommen. Es gibt Verantwortliche für die verschiedenen Gruppen und für die Gesamt - Kolpingsfamilie ein erster Vorsitzender.

 

Die Aufgaben werden auf mehrere verteilt und trotzdem nach innen koordiniert. Zu den Veranstaltungen werden betont die Frauen miteingeladen. Für ältere Ehepaare wird ein Tanzabend mit bunten Einlagen abgehalten und als Ehevorbereitung gar ein ganzes Wochenende mit Beratungs- und Unterhaltungspunkten geboten.
Bei der abgebrannten

Aspenklause sind von der Kolpingsfamilie und katholischen Jugend 92 freiwillige Arbeitsstunden erbracht worden und ebenfalls für diesen Zweck wird ein bestens gelungener Klausenachmittag und ein Großbasar durchgeführt.

 

Diese Meinung zu rechtfertigen, geht es 1973/74 geradlinig und zielbewusst in den Fußstapfen Kolpings weiter. Oft erlebt man die Kolpingsfamilie im Dienst an der Kirchengemeinde, praktisch und ideell. So auch bezüglich der Bergkapelle, wo der Zahn der Zeit gewaltig nagt: Einmal war sie durch 63 Jahre verwittert und unansehnlich geworden, zum anderen fordert das moderne Denken der Jetztzeit auch seinen Tribut: „Besser wäre das Geld für soziale Aufgaben zu verwenden als in dieses unansehnliche Gebäude zu investieren“.

So wurde der 1. Vorsitzende von den Mitgliedern ermächtigt, die Erhaltung der Bergkapelle zu propagieren und einen Grundstock von DM 1000 für ein Spendenkonto zur Renovierung des Bauwerkes zu legen. Die Beeinflussung der Pfarrversammlung in diesem Sinne ist dem Vorsitzenden gelungen und die Gewichtigkeit des Ergebnisses der Diskussion konnte im Kirchengemeinderat nicht übergangen werden.

Es zeigte sich, dass es in unserer Kolpingsfamilie hier am Ort viel guten Willen und Mitverantwortung gibt: Unter anderem ist es erfreulicherweise Norbert Fluhr der 1975 im April  das Amt des ersten Vorsitzenden in der Kolpingsfamilie übernimmt, den Verein jedoch nur bis Oktober des Jahres führt, weil gesundheitliche Mängel ihn zur Aufgabe des Amtes zwingen.

Es wird dann August Pfeffer zum Vorsitzenden gewählt, der mit der Vorstandschaft in konsequenter Weise den Abgrenzungsbeschluss des Kolpingwerkes verteidigt und die Vorbereitung des 100jährigen Jubiläums tatkräftig in Angriff nimmt.

 

Der „Bären“, obwohl erst 1959 nach einem Brand wieder neu aufgebaut, muss 1974 der Altstadtsanierung zufolge abgebrochen werden. Unser schönes Kolpingzimmer muss dadurch geräumt werden, findet aber im neu erbauten

Gemeindezentrum Don-Bosco auf dem Wörth einen würdigen Platz.

 

Bei der Begehung am 05.10. 1975 nach dem Festakt, sind wir deshalb voll des Lobes und der Zufriedenheit über unser neues Kolpingzimmer, aber auch über das ganze Haus mit Saal, Clubraum, Theke und Jugendräumen. Natürlich war auch die Kolpingsfamilie an handwerklichen und anderen Arbeiten mitbeteiligt.

 

Im Mai 1976 feierte die Kolpingsfamilie Oberndorf ihr 100jähriges Bestehen. Eine Jubiläumsfeier ist immer auch der Punkt, an dem man einhält und zurückblickt auf Gewordenes und Geleistetes, und – Dank – sagt. Was haben wird Grund, unserem ewig liebenden Vater- Gott – zu danken, für 100 Jahre Erlebnis aus dem Geiste Kolpings und damit auch Erlebnis aus Gottes Geist!

 Die Kolpingsfamilie im Jahr 1976

Die Kolpingsfamilie im Jahr 2013

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